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Folge 112: Kapitän und Lokführer Martin Grashäftl: Warum der Schafberg nie langweilig wird

vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit

Schon als Kind wollte Martin Grashäftl die alten Dampfloks auf den Schafberg steuern. Später wurde er Lokführer der Schafbergbahn und Kapitän der Wolfgangsee-Schifffahrt. Bei „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ spricht er über geschätzte 25.000 Bergfahrten, die Verantwortung für seine Fahrgäste und einen Berufsweg, den er genauso wieder wählen würde.



Ein Blick auf die Dampflok und ein Wunsch fürs Leben

Wenn Martin Grashäftl von seinem Beruf erzählt, beginnt die Geschichte mit Fahrten an der Seite seines Vaters. Der war als Fahrverkäufer unterwegs und nahm ihn nach St. Wolfgang mit. Bei der Hupfmühle sah Martin die alten Dampfloks auf den Schafberg hinauffahren. Die Bahn fuhr vorbei, aus den Loks stieg Rauch auf – und für den jungen Martin stand fest, dass er eines Tages dort arbeiten wollte.

Der Weg führte ihn zunächst zur ÖBB nach Linz. Dort lernte er und absolvierte seine Lokführerausbildung. 1987 kam er zur Schafbergbahn und machte zusätzlich die Dampflokführerprüfung. Einige Jahre später eröffnete sich ein weiteres Berufsfeld: Als Nachwuchs für die Schifffahrt gebraucht wurde, begann er 1992 gemeinsam mit einem Kollegen die Kapitänsausbildung.

So wurden aus dem Wunsch nach einem Arbeitsplatz am Berg zwei besondere Perspektiven auf dieselbe Region. Die eine führte auf Schienen bergauf, die andere übers Wasser.


Geschätzte 25.000 Bergfahrten und immer etwas zu sehen

Wie oft er auf den Schafberg gefahren ist, hat Martin überschlagen. Rund 25.000 Mal dürften es gewesen sein. Eine genaue Zählung ist das nicht. Die Größenordnung macht aber deutlich, wie vertraut ihm diese Strecke geworden ist. Dass sie dadurch langweilig geworden wäre, verneint er. Fast jede Fahrt sei anders gewesen. Besonders gern erinnert er sich an die frühen Arbeits- und Güterzüge, wenn er als Erster auf der Strecke unterwegs war. Dann waren entlang der Bahn so viele Gämsen zu sehen, dass er irgendwann mit dem Zählen aufhörte.

Dazu kamen Sonnenaufgänge, Sonnenuntergänge und die Geräusche der Hirschbrunft. Eine seiner Lieblingsstellen liegt hinter der Schafbergalm: Nach einem Einschnitt öffnet sich dort der Blick auf die Berge. Wer Martin zuhört, merkt, wie präsent ihm diese Eindrücke geblieben sind. Auch nach vielen Jahren kann er noch sehr genau sagen, was ihm an seinem Arbeitsplatz gefallen hat.


Warum Kinder bei Martin Grashäftl mitfahren durften

Die Begeisterung für eine Lok kann Martin gut nachvollziehen. Schließlich hat sie seinen eigenen Berufsweg geprägt. Wenn Kinder vor seiner Lok standen und fragten, ob sie mitfahren dürften, erinnerte ihn das an sich selbst. Er konnte dann nicht Nein sagen, erzählt er. Das Strahlen in den Kinderaugen habe ihm selbst Freude gemacht. Hinter der kleinen Geschichte steckt eine Haltung, die auch an anderen Stellen im Gespräch sichtbar wird: Martin wusste, dass eine Fahrt, die für ihn Alltag war, für seine Gäste etwas Besonderes sein konnte.

Das zeigte sich auch beim Fotografieren. Wenn Gäste an der Lok noch ein Erinnerungsbild machen wollten, blieb er dafür schon einmal eine oder zwei Minuten länger stehen. Technische Fragen beantwortete er ebenfalls gern. Wenn ihn selbst eine Maschine interessierte, freute er sich schließlich auch darüber, wenn jemand ihre Funktionsweise erklärte.


Dampflokfahren ist Teamarbeit

So viel Freude Martin an den Begegnungen hatte: Im Führerstand ging es zugleich um Handwerk und Verantwortung. Besonders anschaulich wird das, wenn er über die Dampflok spricht.

Lokführer und Heizer müssen dafür sorgen, dass genügend Dampf für die Fahrt zur Verfügung steht. Die Arbeit des einen hängt unmittelbar mit der des anderen zusammen. Für Martin war die Bergfahrt deshalb die spannendere Richtung, weil dabei mehr zu tun war.


Auch außergewöhnliche Situationen gehören zu seinem Rückblick. Er erzählt von starken Schneefällen und davon, wie wichtig es ist, die Lage rechtzeitig einzuschätzen. In solchen Momenten braucht es Ruhe und Erfahrung. Dieselbe Ruhe ist gefragt, wenn Fahrgäste verunsichert sind und die Mannschaft ihnen helfen muss.


Auf dem Wolfgangsee gibt es keine Schienen

Auf dem Wasser kommt eine andere Form der Aufmerksamkeit dazu. Während die Bahn ihrer Strecke folgt, muss ein Kapitän das Schiff beim Anlegen selbst manövrieren und den Wind im Blick behalten. Martin beschreibt, wie wichtig es ist, zunächst genügend Abstand zum Steg zu lassen und zu beobachten, wie ein Schiff reagiert.


Der Wolfgangsee ist für die Berufsschifffahrt ein anspruchsvoller Arbeitsplatz. Schwimmer, Elektroboote und Stand-up-Paddler verlangen ständige Konzentration. Was vom Ufer aus wie eine entspannte Fahrt aussehen mag, kann für die Mannschaft ein langer und anstrengender Arbeitstag sein.


Am liebsten fuhr Martin mit der Kaiser Franz Josef. Das Geräusch der Schaufeln empfand er als beruhigend. Zugleich erforderte gerade dieses Schiff beim Anlegen besondere Aufmerksamkeit. Martin erzählt davon mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, der sein Arbeitsgerät gut kennt – und erklärt gern, was hinter dem Bild steckt, das die Gäste vom Ufer aus sehen.


Ein Berufsweg braucht auch Rückhalt

Auf die Frage nach seinem jüngeren Ich findet Martin eine klare Antwort: „Lieber Martin, mach es genauso, wie du es gemacht hast.“ Er würde diesen Weg wieder wählen. Dass er seine Arbeit gern machte, sei ihm auch damals schon bewusst gewesen. Im Gespräch macht er aber ebenso deutlich, welchen Rückhalt dieser Berufsalltag brauchte. Turnusdienste, viele Wochenenden in der Arbeit und Zeiten mit sehr wenigen freien Tagen betrafen auch das Familienleben. Die Unterstützung seiner Frau war ihm dabei wichtig.


Seine Verbundenheit mit der Arbeit zeigt sich auch bei einem Wechsel des Arbeitgebers. Martin überlegte damals, welchen Weg er weitergehen sollte, und besprach die Entscheidung mit seiner Frau. Er blieb bei der Schafbergbahn. Der vertraute Arbeitsplatz war für ihn ein guter Grund dafür.


Die Pension genießen und mit den Kollegen verbunden bleiben

Zuletzt arbeitete Martin als Werkmeisterstellvertreter und sprang im Fahrbetrieb vor allem dann ein, wenn er gebraucht wurde. Auch an seinem letzten Arbeitstag war er in dieser Funktion tätig. Sein Berufsweg umfasste also neben den Fahrten auf Berg und See auch die Arbeit hinter den Kulissen.

Heute genießt er den Ruhestand. Was ihm am meisten fehlt, sind die Kollegen. Deshalb schaut er weiterhin vorbei, unterhält sich mit ihnen und freut sich darüber, dass er gern gesehen ist.


Gemeinsam mit seiner Frau ist er gern beim Bergsteigen, Radfahren und Reisen unterwegs. Dazu kommt ein Ehrenamt bei den Naturfreunden Bad Ischl: Als stellvertretender Wegereferent engagiert er sich für die Betreuung von rund 90 Kilometern Wegen und Steigen im Raum Strobl. Mit anderen zusammen kümmert er sich damit um jene Berglandschaft, in der er auch seine Freizeit gern verbringt.


Was ihm am Salzkammergut besonders wichtig ist

Zum Schluss wird der Blick noch einmal weiter. Gefragt nach dem Wertvollsten am Salzkammergut nennt Martin die schöne Gegend und die Natur. Diese Landschaft möchte er erhalten wissen.

Das passt zu einem Gespräch, in dem immer wieder konkrete Erinnerungen auftauchen: die Dampflok aus der Kindheit, der erste Zug am Morgen, die Kinder im Führerstand und die Menschen, mit denen er gearbeitet hat. Bei Robert Steiner und Peter Zeitlhofer erzählt Martin Grashäftl davon herzlich, mit trockenem Humor und mit großer Freude an dem, was er gemacht hat.


Die ganze Folge mit Martin Grashäftl gibt es ab 3. November 2026 bei „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.


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