Folge 104: Wie man einen Bauernhof mit Yaks und Alpakas neu erfindet: Lisa Schruckmayr vom Edinger Hof
- vor 3 Stunden
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Was macht man mit einem Bauernhof, den man liebt, wenn man gleichzeitig erkennt, dass das bisherige Modell wirtschaftlich kaum Zukunft hat? Lisa Schruckmayr hat darauf ihre ganz eigene Antwort gefunden. Sie führt den Edinger Hof in St. Lorenz am Mondsee in fünfter Generation – und hat aus einem klassischen kleinen Milchviehbetrieb Schritt für Schritt einen Hof gemacht, auf dem heute Alpakas, Yaks, Direktvermarktung und Begegnungen zwischen Menschen und Tieren eine wichtige Rolle spielen.

Ein Hof seit 1883
Die Geschichte des Edinger Hofs reicht bis ins Jahr 1883 zurück. Damals errichtete Jakob Schruckmayr das Bauernhaus, das noch heute steht. Getreide, Erdäpfel und Milchkühe bestimmten damals die Landwirtschaft. Mehr als 140 Jahre später führt Lisa Schruckmayr diesen Hof weiter. Für sie war schon früh klar, dass er in der Familie bleiben sollte. Sie besuchte die Landwirtschaftsschule in Kleßheim, wuchs mit den Tieren auf und beschreibt das Leben am Hof weniger als Beruf als vielmehr als etwas, das für sie ganz selbstverständlich dazugehört.
Gleichzeitig war ihr klar: Einfach weitermachen wie bisher würde nicht funktionieren. Die Milchwirtschaft des kleinen Betriebs hätte große Investitionen benötigt. Laufstall, Melktechnik und zahlreiche weitere Umbauten hätten Kosten verursacht, die Lisa nicht verantworten wollte. Besonders ein Gedanke war für sie entscheidend: Ihre eigenen Kinder sollten später nicht die Schulden bezahlen müssen, die ihre Generation für den Fortbestand des Hofs aufgenommen hätte.
Die Idee kam Lisa Schruckmayr lange vor der Hofübernahme
Die Suche nach einer Alternative begann bereits 2013. Lisa war damals noch sehr jung. Bei einem Besuch auf einem Alpakahof lernte sie die Tiere näher kennen. Gemeinsam mit ihrem späteren Mann Sebastian begann sie zu überlegen, wie die Zukunft des eigenen Hofs aussehen könnte. Sogar Strauße standen zwischenzeitlich zur Diskussion. Am Ende waren es aber die Alpakas, die beide überzeugten.
Spontan war die Entscheidung trotzdem nicht. Zwischen der ersten Idee und dem tatsächlichen Entschluss lagen mehrere Jahre. Lisa und Sebastian beschäftigten sich intensiv mit der Haltung, besuchten Betriebe und absolvierten Kurse, bevor die ersten Tiere auf den Edinger Hof kamen. Der bemerkenswerte Teil dieser Geschichte: Die Veränderung des Betriebs begann bereits Jahre vor der offiziellen Hofübernahme 2020.
Heute leben 25 Alpakas am Hof. Aus zwei hochwertigen Zuchtstuten entwickelte sich Schritt für Schritt eine ganze Herde. Die Tiere liefern hochwertige Wolle, werden gezüchtet und sind die Hauptdarsteller bei den beliebten Alpakawanderungen.
Und dann kamen die Yaks
Als die Milchkühe weniger wurden, stellte sich eine weitere praktische Frage: Wer pflegt eigentlich die rund zwölf Hektar Wiesen des Betriebs? Alpakas allein fressen dafür schlicht zu wenig.
Die Idee für Yaks entstand auf ungewöhnliche Weise. Lisas Mutter Rosa beschäftigte sich mit verschiedenen Wollarten und stieß dabei auf Yakwolle. Schnell wurde aus der Neugier eine neue Idee für den Hof.
Yaks sind robuste Tiere, brauchen im Vergleich zu klassischer Rinderhaltung nur wenig Infrastruktur und können einen großen Teil des Jahres im Freien verbringen. Heute gehört auch Zuchtstier Dieter zur Herde – von Lisa liebevoll als „sanfter Riese“ beschrieben.
Die Yaks liefern Wolle und Fleisch. Gerade beim Thema Fleisch wird im Gespräch deutlich, wie eng Tierhaltung und Verantwortung für Lisa miteinander verbunden sind. Der Hof ist für Hofschlachtung zertifiziert. Der Metzger kommt direkt zum Betrieb, sodass die Tiere keinen Transport und damit möglichst wenig Stress erleben müssen. Dass der Abschied trotzdem nicht leicht ist, verschweigt Lisa nicht.
Landwirtschaft wird zum Erlebnis
Mit dem Wandel des Hofs hat sich auch der Kontakt zur Außenwelt verändert. Während Lisa als Kind praktisch ohne Gäste auf dem Betrieb aufwuchs, kommen heute regelmäßig Besucherinnen und Besucher.
Eine Alpakawanderung dauert ungefähr eine Stunde, insgesamt verbringen Gäste mit Einführung, Wanderung und Hofführung etwa zwei Stunden am Edinger Hof. Besonders wichtig ist Lisa dabei, dass sich nicht die Tiere an die Menschen anpassen müssen. Die Menschen sollen lernen, ruhig zu werden, das Tier zu lesen und gemeinsam mit ihm zu gehen.
Gerade bei Kindern beobachtet sie immer wieder, wie schnell Tiere etwas verändern können. Manche werden ruhiger, andere beginnen mit ihrem Alpaka zu sprechen, überwinden Ängste oder gewinnen sichtbar an Selbstvertrauen. Das Erlebnis Landwirtschaft wird damit zu einem weiteren Standbein des Hofs – gemeinsam mit Hofladen, Wollprodukten, Zucht und Direktvermarktung.
Tradition bedeutet nicht Stillstand
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Folge: Einen Familienbetrieb weiterzuführen bedeutet für Lisa Schruckmayr nicht, alles genauso zu machen wie die Generation davor.
Im Gegenteil. Gerade weil ihr der Hof wichtig ist, muss er sich verändern dürfen.
Lisa denkt bereits über weitere Angebote nach, etwa Tierkontakte für sehr kleine Kinder. Auch Wachteln könnte es künftig am Edinger Hof geben. Gleichzeitig möchte sie bewusst nicht grenzenlos wachsen. Die Zahl der Tiere soll immer überschaubar bleiben. Entscheidend ist, dass die Familie jedes Tier kennt und individuell betreuen kann.

Und die sechste Generation? Lisa würde sich freuen, wenn eines ihrer Kinder den Hof irgendwann weiterführen möchte. Druck soll es aber keinen geben. Landwirtschaft darf für sie niemals zum Zwang werden. Vielleicht ist genau das der Schlüssel, warum dieser mehr als 140 Jahre alte Hof eine Zukunft hat: weil hier Tradition nicht mit Stillstand verwechselt wird.
In Folge 104 von „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ besuchen Robert Steiner und Peter Zeitlhofer Lisa Schruckmayr auf dem Edinger Hof in St. Lorenz am Mondsee. Und am Ende müssen die beiden selbst noch beweisen, ob sie zumindest theoretisch dazu geeignet wären, ein Alpaka zu führen.
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