Folge 88 - „Wir verkaufen kein Geschirr, wir verkaufen Emotionen“, Andreas Glatz, GF der Gmundner Keramik:
- vor 3 Tagen
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Gmundner Keramik kennt man. Wahrscheinlich sogar dann, wenn man gar nicht genau weiß, warum. Aus dem Kasten der Großeltern. Vom gedeckten Tisch. Vom Kaffeehäferl. Von der Streublume, vom Hirsch oder vom berühmten grünen Flammen. Gmundner Keramik ist eine dieser Marken, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben. In Österreich. Und ganz besonders im Salzkammergut.

In Episode 88 von „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ ist Andreas Glatz, Geschäftsführer von Gmundner Keramik, zu Gast. Und schon nach wenigen Minuten wird klar: Dieses Gespräch wird nicht einfach ein Gespräch über Geschirr. Es wird ein Gespräch über Verantwortung, Mut, Kunsthandwerk, Tischkultur, Unternehmertum und die Frage, wie man eine jahrhundertealte Marke in die Zukunft führt.
Denn Gmundner Keramik ist nicht irgendein Unternehmen. Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1492 zurück. Eine Marke mit so viel Vergangenheit kann man nicht einfach verwalten. Man muss sie verstehen, respektieren und gleichzeitig weiterdenken. Genau darin liegt eine der großen Herausforderungen, über die Andreas Glatz in dieser Folge spricht.
Gmundner Keramik: Eine Marke zwischen Tradition und Aufbruch
Als Andreas Glatz gemeinsam mit Markus Friesacher zur Gmundner Keramik kam, war schnell klar: Diese Marke ist größer als ihre Produkte. Natürlich geht es um Teller, Häferl, Schüsseln und Tassen. Aber eigentlich geht es um etwas anderes. Um Erinnerungen. Um Heimat. Um Familiengeschichten. Um die Emotion, die entsteht, wenn ein Tisch gedeckt ist und Menschen zusammenkommen.
Einer der stärksten Sätze der Folge bringt genau das auf den Punkt:
„Wir verkaufen kein Geschirr, wir verkaufen Emotionen.“
Dieser Satz ist mehr als ein schönes Zitat. Er erklärt, warum Gmundner Keramik für so viele Menschen eine Bedeutung hat, die weit über den reinen Gebrauch hinausgeht. Ein Teller kann natürlich ein Schnitzel tragen. Aber ein handbemalter Teller aus Gmunden trägt oft auch eine Geschichte.
Handwerk, das man sehen kann
Ein wichtiger Teil dieser Geschichte ist das Handwerk. Bei Gmundner Keramik wird jedes Stück von Hand dekoriert. Kein Teller gleicht dem anderen, kein Häferl ist exakt wie das nächste. Das berühmte Flammen, das viele sofort mit Gmundner Keramik verbinden, braucht jahrelange Übung. Andreas Glatz erzählt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lange lernen, bis diese scheinbar leichte, fließende Bewegung wirklich sitzt.
Und genau darin liegt die Wertigkeit. Nicht in einem Logo. Nicht nur in einer Marke. Sondern in der Arbeit, in der Erfahrung und in den Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass aus Ton, Farbe, Glasur und Feuer ein Stück Kunsthandwerk wird.
Besonders spannend ist, dass Gmundner Keramik heute wieder viele Lehrlinge ausbildet. Aus einem Betrieb, der ohne Lehrlinge übernommen wurde, ist ein Unternehmen geworden, in dem junge Menschen dieses besondere Handwerk lernen und weitertragen.
Mut als Überlebensstrategie
Tradition allein reicht nicht. Das sagt Andreas Glatz in dieser Folge sehr klar. Wer immer nur das macht, was früher funktioniert hat, läuft Gefahr, irgendwann nicht mehr relevant zu sein. Für eine Marke wie Gmundner Keramik bedeutet das: Die Vergangenheit ist ein Schatz, aber sie darf nicht zum Museum werden.
Deshalb hat sich Gmundner Keramik in den vergangenen Jahren immer wieder neu gezeigt. Mit Sondereditionen. Mit Künstlerinnen und Künstlern. Mit neuen Designs. Mit limitierten Stücken. Und auch mit Ideen, die man von einer Traditionsmarke vielleicht nicht sofort erwarten würde.
Die wohl bekannteste Geschichte ist die Gmundner Keramik Bong. Sie begann als Satire der Tagespresse. Andere Unternehmen hätten sich vielleicht geärgert, protestiert oder den Scherz ignoriert. Gmundner Keramik machte etwas anderes: Man nahm den Ball auf und spielte ihn weiter. Aus der fiktiven Geschichte wurde ein reales Objekt, eine Kunstaktion und schließlich ein Stück Markenkommunikation, das weit über klassische Werbung hinausging.
Diese Geschichte zeigt viel über den Zugang von Andreas Glatz. Mut heißt nicht, beliebig zu werden. Mut heißt, die eigene Marke so gut zu kennen, dass man auch ungewöhnliche Wege gehen kann, ohne sie zu beschädigen.

Kunst, Design und große Namen
Gmundner Keramik ist heute nicht nur Kunsthandwerk, sondern auch ein Ort für Kunst und Design. Im Gespräch erzählt Andreas Glatz von Artist-in-Residence-Programmen, Ausstellungen und Kooperationen mit großen Namen. Erwin Wurm, Ai Weiwei, Vivienne Westwood – das sind Namen, die man vielleicht nicht sofort mit einer Keramikmanufaktur in Gmunden verbindet. Und genau deshalb sind sie so spannend.
Gmundner Keramik bietet Künstlerinnen und Künstlern Möglichkeiten, die es in dieser Form kaum mehr gibt: große Öfen, keramisches Know-how, Labor, Raum, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mitdenken und mitarbeiten. So entsteht ein Austausch, der nicht nur die Kunst weiterbringt, sondern auch das Unternehmen selbst.
Andreas Glatz trennt dabei sehr klar zwischen Kunsthandwerk, Design und Kunst. Das ist keine theoretische Spitzfindigkeit, sondern ein wichtiger Teil des Selbstverständnisses. Das handbemalte Geschirr bleibt Kunsthandwerk. Kooperationen mit Designerinnen und Designern sind Design. Und die Arbeiten im Artist-in-Residence-Kontext sind Kunst. Diese klare Trennung gibt der Marke Raum, ohne beliebig zu werden.

Von Gmunden bis Namibia
Eine der überraschendsten Geschichten der Folge führt weit weg vom Traunsee – nach Namibia. Dort entstand die Gmundner Lodge. Aus dieser Verbindung entwickelte sich auch die Zusammenarbeit mit den San People.
Andreas Glatz erzählt, wie aus einer Begegnung ein Projekt wurde, bei dem es nicht nur um schöne Produkte geht, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe. Gemeinsam mit den San entstanden Entwürfe und Farben, aus denen die San-Edition entwickelt wurde. Ein Teil der Erlöse fließt in einen Fonds, mit dem unter anderem Bildung, Wasserstellen und konkrete Unterstützung finanziert werden.
Diese Geschichte zeigt eine andere Seite von Gmundner Keramik: international, sozial, offen und zugleich verbunden mit der eigenen handwerklichen DNA. Aus einem Designprojekt wird Verantwortung. Aus einem Produkt wird eine Verbindung zwischen Welten.
Tischkultur als Haltung
Besonders stark wird das Gespräch dort, wo es um Tischkultur geht. Andreas Glatz sagt sehr ehrlich: Handbemaltes Geschirr braucht niemand. Ein einfacher Teller erfüllt denselben Zweck. Aber genau darin liegt der Punkt. Gmundner Keramik steht nicht für bloße Notwendigkeit, sondern für Wertschätzung.
Wertschätzung gegenüber dem Essen. Gegenüber den Menschen, mit denen man am Tisch sitzt. Gegenüber dem Handwerk. Gegenüber der Region.
In einer Zeit, in der Essen oft aus Kartons, Bechern und Schalen unterwegs konsumiert wird, wirkt dieser Gedanke fast altmodisch. Oder vielleicht gerade deshalb wieder hochaktuell. Sich an einen Tisch zu setzen, miteinander zu essen, das Handy wegzulegen und dem Moment Bedeutung zu geben – das ist mehr als Nostalgie. Es ist Kultur.
Eine Folge über viel mehr als Geschirr
Episode 88 mit Andreas Glatz ist eine Folge über Gmundner Keramik. Aber sie ist auch eine Folge über die Frage, wie man mit Tradition umgeht. Wie man eine Marke verjüngt, ohne ihre Seele zu verlieren. Wie man Kunst, Handwerk und Unternehmertum miteinander verbindet. Und wie viel Mut es braucht, damit etwas, das seit Jahrhunderten besteht, auch in Zukunft lebendig bleibt.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Gesprächs, das die Gmundner Keramik nicht kleiner macht, sondern größer. Nicht als nostalgisches Erinnerungsstück. Sondern als lebendige Marke aus dem Salzkammergut, die weiß, woher sie kommt – und trotzdem neugierig bleibt, wohin sie gehen kann.
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