Folge 87 - Michaela Prem vom "das Attersee": Mut, Wahnsinn und ein Lokal, das wie Urlaub schmeckt
- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Es gibt Orte im Salzkammergut, die muss man nicht lange erklären. Man kommt hin, schaut auf den See, hört den Schotter unter den Schritten, sieht die Tische, die Cabanas, die Pflanzen, die Bar, das Licht – und spürt sofort: Da hat jemand nicht einfach ein Lokal eingerichtet. Da hat jemand ein Gefühl gebaut. In Folge 87 von ned zwida – der Salzkammergut Podcast sind Robert Steiner und Peter Zeitlhofer zu Gast bei Michaela Prem, der Wirtin vom das Attersee in Attersee am Attersee. Schon dieser Name sorgt manchmal für Diskussionen. Ist es nicht eigentlich der Attersee? Ja. Aber hier geht es nicht um Grammatik, sondern um eine Marke. Um einen Ort. Um ein Lebensgefühl. Und genau dieses Lebensgefühl steht im Zentrum dieser Folge.

Ein Ort, der nach Urlaub aussieht
Das das Attersee gehört heute zu jenen Lokalen, die am See sofort auffallen. Nicht, weil sie laut wären. Sondern weil sie eine eigene Sprache sprechen. Naturmaterialien, helle Farben, Pflanzen, Cabanas, Bar, Seezugang, Mittelmeer-Assoziation und trotzdem Salzkammergut. Es ist ein Lokal, das nicht so tut, als wäre es in Griechenland, aber einem für ein paar Stunden das Gefühl gibt, der Alltag sei irgendwo anders ausgestiegen.
Michaela beschreibt es im Gespräch sehr treffend: Für sie ist das, was viele als Boho-Stil bezeichnen, nicht einfach ein Trend. Es ist ein Urlaubstrend. Und Urlaub, sagt sie sinngemäß, wird wohl nie aus der Mode kommen. Wer will nicht zumindest für einen Tag genießen, abschalten und sich woanders fühlen?
Dabei wird schnell klar: Hinter dieser Leichtigkeit steckt enorm viel Arbeit.
Der ehrliche Blick hinter die Kulisse
Ein Tag von Michaela Prem beginnt oft mit einem Kaffee am See. Das klingt romantisch. Und für einen kurzen Moment ist es das auch. Danach beginnt der Alltag einer Wirtin: Reservierungen, E-Mails, Mitarbeiterplanung, Küche, Personalwohnungen, Dekoration, Hochzeiten, Google-Bewertungen, Speisekarten, Empfang, Gäste, Abendgeschäft, Zusperren, Vorbereiten für den nächsten Tag.
Das das Attersee ist kein kleines Lokal. Drinnen, draußen, Bar, Saal – der Betrieb ist groß, vielschichtig und intensiv. Dass sich der Ort für Gäste so leicht anfühlt, ist also kein Zufall. Es ist das Ergebnis von Struktur, Arbeit, Gefühl, Ausdauer und einem Team, das Michaela als das eigentliche Herz des Hauses bezeichnet. Gerade dieser Punkt zieht sich durch das Gespräch: Gastronomie funktioniert nicht nur über Konzept, Lage und Design. Sie funktioniert über Menschen. Über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gerne da sind, Charakter haben und das mittragen, wofür Michaela und Kilian brennen.
Eigentlich wollte sie nie in die Gastronomie
Besonders schön ist in dieser Folge der Blick zurück. Michaela kommt ursprünglich aus Steyregg im Mühlviertel, ging in Bad Leonfelden zur Schule und wusste mit 17 vor allem eines: Was sie nicht machen wollte. Gastronomie gehörte ausdrücklich dazu.
Dann kam eine Gastromesse in Salzburg. Dann der Stanglwirt. Eigentlich wollte sie nur ein Jahr bleiben und danach auf Weltreise gehen. Stattdessen lernte sie dort, wie man mit Menschen umgeht, wie Herzlichkeit funktioniert, was Bodenständigkeit bedeutet und wie man mit Größe umgeht. Und sie lernte Kilian kennen.
Kilian, heute ihr Mann, brachte ihr die Gastronomie von einer anderen Seite näher. Aus einem Job wurde Leidenschaft. Aus einem Plan wurde ein gemeinsamer Weg. Über weitere Stationen, unter anderem in der Schweiz, kamen die beiden schließlich an den Attersee.
Mut und Wahnsinn
Als Michaela und Kilian das heutige das Attersee zum ersten Mal sahen, war Michaela 23. Jung genug, um von vielen unterschätzt zu werden. Mutig genug, es trotzdem zu versuchen.
Einer der stärksten Sätze dieser Folge lautet:
„Bei mir liegen Mut und Wahnsinn ganz nah beieinander.“
Das klingt lustig, beschreibt aber ziemlich gut, was es braucht, wenn man in jungen Jahren einen großen Gastronomiebetrieb übernimmt, umbaut, weiterentwickelt und durch herausfordernde Zeiten führt. Michaela erzählt offen von Gegenwind, von Menschen, die zweifelten, von der Frage, ob das alles funktionieren kann. Und von einer Haltung, die sie durch vieles getragen hat: Jetzt erst recht.
Gleichzeitig wirkt sie nicht überheblich. Im Gegenteil. Sie spricht über Urvertrauen, über klare Regeln, über Beratung, über Zahlen, über ihren Vater als skeptischen, aber wichtigen Ratgeber, über Kilian als Partner an ihrer Seite und über die Notwendigkeit, Ideen auch immer wieder auf den Boden zu holen.
Jung, blond und die Chefin vom das Attersee
Ein weiterer starker Moment der Folge ist Michaelas ehrlicher Blick darauf, wie sie als junge Frau in einer Führungsrolle wahrgenommen wird. Sie sagt sinngemäß: Blond, Frau und unter 30 – das sei ihr größter Vorteil und zugleich ihr größter Nachteil.
Auch die Situation, dass Gäste am Tisch nach „der Chefin“ verlangen, während sie selbst längst vor ihnen steht, erzählt viel. Es geht dabei nicht nur um eine Anekdote aus dem Alltag. Es geht um Bilder im Kopf. Darum, wem man Verantwortung zutraut. Und darum, wie selbstverständlich Michaela diese Verantwortung längst trägt.
Inzwischen arbeiten sogar ihre Eltern im Betrieb mit. Ein umgekehrter Familienbetrieb, wie Michaela lachend sagt. Der Vater im Büro und in der Buchhaltung, die Mutter am Empfang. Auch das zeigt, wie sehr dieser Ort nicht nur ein Gastronomiebetrieb, sondern ein Lebensprojekt geworden ist.
Das Salzkammergut darf moderner werden
Diese Folge bleibt aber nicht nur beim das Attersee. Sie wird größer. Michaela spricht auch über ihre Vision für die Region. Sie wünscht sich ein Salzkammergut, das touristisch gut aufgestellt ist, ohne überfordert zu sein. Eine Region, in der Gäste viel erleben können und Einheimische sich trotzdem wohlfühlen. Mehr coole Lokale. Mehr gute Hotels. Mehr Mut. Mehr moderne Konzepte. Aber immer mit Herz.
Das ist vielleicht einer der spannendsten Gedanken dieser Folge: Das Salzkammergut muss nicht stehen bleiben, um echt zu bleiben. Es darf sich entwickeln. Es darf frischer, lebendiger und zeitgemäßer werden. Entscheidend ist, dass es dabei nicht verliert, was es ausmacht.
Ein Gespräch wie ein Sommertag am See
Am Ende bleibt eine Folge, die vieles zusammenbringt: die Geschichte einer jungen Unternehmerin, die Gastronomie liebt, obwohl sie sie nie geplant hatte. Die Geschichte eines Lokals, das aus einer Notlösung heraus zum Urlaubsort wurde. Die Geschichte von Mut, Arbeit, Liebe, Teamgeist und Gestaltungskraft. Und die Geschichte eines Salzkammerguts, das Menschen wie Michaela Prem braucht: Menschen, die nicht nur darüber reden, dass sich etwas tun soll, sondern es einfach machen.
Vielleicht ist deshalb ein anderer Satz aus der Folge fast genauso wichtig wie der mit Mut und Wahnsinn:
„Man darf sich nicht immer so verrückt machen.“
Leicht gesagt. Schwer getan. Aber bei Michaela Prem klingt es so, als könnte genau darin ein Teil ihres Erfolgs liegen.
Episode 87 von ned zwida – der Salzkammergut Podcast mit Michaela Prem erscheint am Dienstag, 12. Mai.
Wir brauchen euch!
Dir gefällt der Podcast? Dann mach uns einen Riesengefallen – dauert kürzer als ein Schluck Kaffee: Lass uns eine Bewertung auf Apple Podcasts oder Spotify da. Fünf Sterne, ein kurzer Satz, fertig. Und wenn du jemanden kennst, der das Salzkammergut genauso feiert wie du – schick ihm oder ihr genau diese Folge. Einer Person reicht. Damit hilfst du uns mehr als du denkst. Danke, dass du dabei bist! Ihr würdet uns damit sehr helfen. Und damit ihr immer gut informiert seid, folgt uns doch auf Instagram unter salzkammergutpodcast.










Kommentare