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Folge 111: Johanna Schallmeiner: 130 Jahre Hois’n und eine Entscheidung mit 16

vor 30 Minuten
5 Min. Lesezeit

Fünf Generationen, ein legendäres Wirtshaus und eine Frau, die mit viel Herzblut ihre Familiengeschichte weiterschreibt. Johanna Schallmeiner führt den Hois’n Wirt am Traunsee gemeinsam mit ihrer Familie. Im Salzkammergut Podcast „ned zwida“ spricht sie über ihre Kindheit, einen dramatischen Moment in jungen Jahren, ihr großes Fernweh und die Herausforderung, Tradition und Zukunft unter einen Hut zu bringen.



Ein besonderer Platz mit 130 Jahren Familiengeschichte

Direkt am Ostufer des Traunsees, zu Füßen des mächtigen Traunsteins, liegt einer jener Plätze, für die das Salzkammergut so bekannt ist. Hier befindet sich der Hois’n Wirt, ein traditionsreicher Seegasthof, der seit 1896 im Besitz der Familie Schallmeiner ist. Was einst als einfaches Gasthaus am Schiffsanleger begann, hat sich über fünf Generationen zu einem Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant, eigenem Badeplatz und modernem Wellnessbereich entwickelt.

Heute führt Johanna Schallmeiner den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Christian und mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Eltern Hans und Rosi. Für Johanna ist der Hois’n weit mehr als ein Unternehmen. Sie ist hier aufgewachsen, hier liegen ihre Wurzeln und hier möchte sie auch die Zukunft gestalten. Doch die Verantwortung für ein Haus mit so langer Geschichte ist nicht immer leicht.



Als mit 16 plötzlich alles auf dem Spiel stand

Ein besonders einschneidender Moment ereignete sich im Jahr 2007. Johanna war damals gerade 16 Jahre alt und besuchte die Tourismusschule in Salzburg. Durch die Gschliefgraben-Rutschung wurde die geologische Situation im Gebiet unterm Traunstein plötzlich zur ernsten Bedrohung. Auch die Familie Schallmeiner musste kurzfristig ihr Zuhause verlassen. Die Evakuierung erfolgte überraschend und noch am selben Abend.

Johanna erinnert sich im Podcast daran, wie sie ihren Computer und einige persönliche Kleidungsstücke zusammenpackte und am nächsten Tag wieder zur Schule fuhr. Dort versuchte sie zunächst, ganz normal weiterzumachen. Erst später wurde ihr bewusst, welche Tragweite die Ereignisse tatsächlich hatten.

Ihre Eltern stellten sie in dieser Zeit vor eine Frage, die für eine 16-Jährige außergewöhnlich war: Sollten sie versuchen, den Familienbetrieb zu erhalten, oder das Inventar einlagern und verkaufen, um Johanna damit eines Tages einen Neuanfang zu ermöglichen? Für sie war die Entscheidung eindeutig. Sie wollte, dass es mit dem Hois’n weitergeht.

Heute blickt sie mit einem anderen Verständnis auf diesen Moment zurück. Die Verantwortung für das Familienerbe sei zeitweise durchaus eine Belastung gewesen. Mittlerweile sehe sie aber vor allem das große Glück, an diesem außergewöhnlichen Ort leben und arbeiten zu dürfen. Auch die Schutzmaßnahmen und das Monitoring rund um den Gschliefgraben geben ihr heute Sicherheit.



Vom Dampfschiffkapitän zum modernen Seegasthof

Die Geschichte des Hois’n beginnt mit Johann Nepomuk Schallmeiner, der als Dampfschiffkapitän auf der Sophie III unterwegs war. Vom Wasser aus entdeckte er das Gasthaus und entschied sich schließlich, es zu kaufen. Am 14. Mai 1896 begann damit die Geschichte der Familie Schallmeiner am Hois’n.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden zahlreiche Geschichten, die bis heute weitererzählt werden. Besonders berühmt ist die Überlieferung vom kräftigen Schulterklopfer, mit dem Johann seine Gäste begrüßte. Sogar Kaiser Franz Joseph soll in den Genuss dieser ungewöhnlichen Begrüßung gekommen sein. Später sorgte Franziska Schallmeiner als singende und jodelnde Wirtin für Unterhaltung.

Johanna erzählt im Podcast mit viel Freude von diesen Anekdoten. Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass die lange Vergangenheit des Hauses eine besondere Verpflichtung mit sich bringt. Sie möchte die Geschichte bewahren, ohne in ihr stehen zu bleiben. Das zeigt sich etwa im alten Stüberl, dem ehemaligen Familienwohnzimmer. Dort sitzt Johanna heute an jenem Platz, den früher ihre Großmutter innehatte.



Fernweh und Heimatliebe müssen für Johanna Schallmeiner kein Widerspruch sein

Obwohl Johanna am Traunsee aufgewachsen ist und ihre Zukunft früh mit dem Familienbetrieb verbunden hat, zog es sie immer wieder hinaus in die Welt. Ihre Ausbildung und beruflichen Erfahrungen führten sie unter anderem nach Paris, Lech am Arlberg, Dubai und Tokio. Gemeinsam mit ihrem Mann Christian bereiste sie außerdem Australien und Neuseeland. Auch heute ist das Reisen für sie eine große Leidenschaft.

Gerade die Erfahrungen im Ausland haben ihren Blick auf die Heimat verändert. Sie habe dadurch andere Kulturen, Lebensweisen und Werte kennengelernt und zugleich gelernt, das eigene Zuhause noch mehr zu schätzen. Für Johanna ist die Rückkehr an den Traunsee deshalb kein Verzicht, sondern eine bewusste Entscheidung.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Christian. Die beiden sind seit ihrer Jugend ein Paar. Als er im Familienbetrieb mitarbeiten wollte, verfasste er sogar eine Bewerbung an Johannas Eltern. Auch ihren Familiennamen hat er aus eigener Initiative angenommen, weil ihm der Fortbestand des Namens Schallmeiner wichtig war. Für Johanna ist das bis heute eine besondere Geste.


Wenn der eigene Papa in der Küche steht

Einen Familienbetrieb zu führen, bedeutet für Johanna auch, täglich mit den Menschen zusammenzuarbeiten, die ihr privat am nächsten stehen. Vater Hans ist seit Jahrzehnten für die Küche verantwortlich, Mutter Rosi kümmert sich unter anderem um die Schank und die hausgemachten Mehlspeisen. Christian übernimmt wichtige organisatorische Aufgaben und Johanna selbst hilft dort mit, wo sie gebraucht wird.

Dass es in einer solchen Konstellation nicht immer harmonisch zugeht, verschweigt sie nicht. Unterschiedliche Meinungen, klare Vorstellungen und gelegentliche Diskussionen gehören dazu. Entscheidend sei aber, einander zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie selbst sehe sich deshalb auch nicht als Chefin ihrer Familie, sondern als Teil eines generationenübergreifenden Unternehmens.

Großen Wert legt Johanna zudem auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Schnitt beschäftigt der Hois’n rund 30 Menschen. Viele davon sind bereits seit Jahren Teil des Hauses. Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, wurde beispielsweise für die meisten Beschäftigten im Service eine Vier-Tage-Woche ermöglicht. Denn Gastfreundschaft funktioniert für Johanna nur dann, wenn sich nicht nur die Gäste, sondern auch die Menschen hinter den Kulissen wohlfühlen.


Ein Infinity-Pool und ganz viel Tradition

Wie bringt man ein 130 Jahre altes Wirtshaus in die Zukunft, ohne seine Seele zu verlieren? Diese Frage beschäftigt Johanna und Christian laufend. Der Ausbau des Wellnessbereichs mit Infinity-Pool ist ein Beispiel dafür, wie sich das Haus weiterentwickelt. Gleichzeitig bleiben der Kastaniengarten, das historische Stüberl und die Nähe zum Traunsee prägende Bestandteile des Hois’n.

Johanna möchte dabei bewusst kein Haus für nur eine bestimmte Zielgruppe schaffen. Wanderer, die vom Traunstein zurückkommen, sind genauso willkommen wie Stammgäste, Einheimische, Geschäftsreisende oder internationale Urlauber. Diese Vielfalt macht für sie einen wesentlichen Teil der besonderen Atmosphäre aus.

Am wichtigsten ist ihr, dass der Hois’n auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Menschen gerne Zeit verbringen. Denn die Gäste kommen freiwillig und verbringen dort etwas besonders Wertvolles: ihre Freizeit.


Was bleibt für die nächste Generation?

Mit Johanna ist die fünfte Generation am Hois’n angekommen. Ob Tochter Marie eines Tages als sechste Generation folgen wird, ist noch völlig offen. Natürlich würde Johanna sich darüber freuen, gleichzeitig wünscht sie sich aber vor allem, dass ihre Tochter später selbstbestimmt ihren eigenen Weg gehen kann.

Es ist eine Haltung, die viel über Johanna Schallmeiner erzählt. Sie weiß um die Bedeutung der Familientradition, möchte aber niemandem eine Lebensentscheidung vorwegnehmen.

Im Gespräch mit Robert Steiner und Peter Zeitlhofer entsteht so das Bild einer Gastgeberin, die ihre Wurzeln kennt, offen für Neues bleibt und ihren ganz persönlichen Weg zwischen Vergangenheit und Zukunft gefunden hat.

Ein herzliches, ehrliches und stellenweise sehr humorvolles Gespräch über das Leben am Traunsee, eine außergewöhnliche Familie und einen Ort, an dem Gastfreundschaft seit 130 Jahren gelebt wird.


Die ganze Folge mit Johanna Schallmeiner gibt es ab 27. Oktober 2026 bei „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.


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