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Folge 109: Christoph Preimesberger: Zwischen Klassenzimmer und Bergrettung

vor 4 Stunden
5 Min. Lesezeit

Er leitet eine der ungewöhnlichsten Schulen Österreichs, bringt junge Menschen für das Handwerk zum Brennen und rettet in seiner Freizeit Menschen aus Bergnot. Christoph Preimesberger ist Direktor der HTL Hallstatt und Landesleiter der Bergrettung Oberösterreich. Im Podcast ned zwida erzählt er von seinem außergewöhnlichen Lebensweg, seiner Begeisterung für das Salzkammergut und einer Rettungsaktion am Dachstein, die selbst erfahrene Bergretter an ihre Grenzen gebracht hat.


Eine Schule, die mit einer Bootsfahrt beginnt

Wer seine Ausbildung an der HTL Hallstatt beginnt, erlebt gleich zu Beginn etwas Besonderes. Denn am Sonntag vor dem ersten Schultag werden die neuen Schülerinnen und Schüler, die sogenannten Jahrlinge, mit traditionellen Holzbooten über den Hallstättersee zur Schule gebracht. Mit dabei ist auch Direktor Christoph Preimesberger, der das außergewöhnliche Begrüßungsritual mitgestaltet. Für die Jugendlichen ist es ein besonderer Start in einen neuen Lebensabschnitt. Für viele Eltern, die am anderen Seeufer auf ihre Kinder warten, ein emotionaler Moment.

Die HTL Hallstatt ist auch abseits dieses Rituals eine außergewöhnliche Bildungseinrichtung. Rund 450 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, etwa 280 davon wohnen im eigenen Internat. Angeboten werden unter anderem Ausbildungen in Innenarchitektur, Restauriertechnik, Tischlerei, Bildhauerei und Instrumentenbau. Seit September 2026 ist mit der eigenständigen Fachschule für Holzbootsbau eine weitere besondere Ausbildungsrichtung dazugekommen. Junge Menschen aus ganz Österreich, aber auch aus dem Ausland, kommen nach Hallstatt, um hier einen Beruf zu erlernen, für den sie sich begeistern.



Handwerk hat Zukunft – gerade im Zeitalter der KI

Die Werkstätten der HTL Hallstatt haben mit dem romantischen Bild einer traditionellen Handwerksschule nur noch teilweise etwas gemeinsam. Neben Hobel, Stemmeisen und jeder Menge Holz stehen hier moderne CNC-Maschinen und digitale Technologien. Auch Virtual Reality kommt in der Ausbildung zum Einsatz. Für Christoph Preimesberger liegt genau in dieser Verbindung aus Tradition und Innovation die Stärke seiner Schule.

Im Gespräch mit Robert und Peter erzählt er, dass handwerkliche Ausbildungen wieder verstärkt gefragt sind. Während sich die Berufswelt durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz verändert, ergeben sich für manche klassischen Handwerksberufe neue Perspektiven. Gleichzeitig ist die Schule keineswegs von diesen Entwicklungen abgekoppelt. Vielmehr geht es darum, traditionelle Fertigkeiten mit den technischen Möglichkeiten der Gegenwart zu verbinden.


Besonders stolz ist Preimesberger auf die neue Fachschule für Holzbootsbau. Mehr als zehn Jahre dauerte die Entwicklung dieses eigenständigen Ausbildungsangebots. Es brauchte Überzeugungsarbeit, engagierte Fachleute und die Bereitschaft, langfristig an eine Idee zu glauben. Jetzt können junge Menschen in Hallstatt gezielt das Handwerk des Holzbootsbaus erlernen.


Christoph Preimesberger: Ein Schuldirektor mit einem großen Herz für junge Menschen

Christoph Preimesberger kennt seine Schule aus unterschiedlichen Perspektiven. Er war selbst Schüler in Hallstatt, studierte später Betriebswirtschaft in Linz und arbeitete in der Wirtschaft. Doch die berufliche Belastung wurde irgendwann zu groß. Wochen mit bis zu 80 Arbeitsstunden brachten ihn nach eigener Einschätzung an die Grenze zum Burnout.


Die Rückkehr nach Hallstatt und der Wechsel in den Lehrerberuf wurden für ihn zu einer entscheidenden Weichenstellung. Plötzlich war wieder Zeit für Dinge, die zuvor zu kurz gekommen waren. Später übernahm er die Leitung jener Schule, an der er selbst seine Ausbildung absolviert hatte.

Heute sieht er seine Aufgabe nicht nur darin, Wissen zu vermitteln oder eine große Organisation mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu führen. Vielmehr sollen junge Menschen an der HTL Hallstatt ihre Talente entdecken, ihre Persönlichkeit entwickeln und auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden.

Dabei braucht es manchmal auch ungewöhnliche pädagogische Wege. Etwa bei einem Schüler, der eines Tages im Bademantel im Unterricht erschien, weil er keinen Pullover hatte. Solche Geschichten zeigen, wie sehr sich Preimesberger für ein Schulklima einsetzt, in dem unterschiedliche Persönlichkeiten ihren Platz finden. Regeln sind wichtig, doch ebenso wichtig sind Verständnis, Toleranz und das richtige Gespür für Menschen.


Wenn die Bergrettung an ihre Grenzen kommt

Neben seiner Tätigkeit als Schuldirektor hat Christoph Preimesberger eine zweite große Aufgabe. Er ist Landesleiter der Bergrettung Oberösterreich und trägt damit Verantwortung für rund 850 ehrenamtliche Bergretterinnen und Bergretter. Schon sein Großvater gehörte zu den Mitbegründern der Bergrettung Hallstatt. Auch sein Vater war Bergretter. Die Berge begleiten Christoph somit seit frühester Kindheit.

Wie gefährlich diese Aufgabe werden kann, zeigt ein dramatischer Einsatz im Februar 2015. Drei Wiener Skitourengeher befanden sich bei einem heftigen Wettersturz am Dachstein in Bergnot. Preimesberger und seine Kameraden machten sich trotz extremer Bedingungen auf die Suche. Bei minus 17 Grad, Windgeschwindigkeiten um 100 km/h und praktisch null Sicht kämpften sie sich durch den Schneesturm.


Die Situation wurde zunehmend gefährlich, auch für die Retter selbst. Preimesberger stand unmittelbar davor, den Einsatz abzubrechen, als das Team die drei Vermissten schließlich doch noch fand. Nur wenige Minuten später hätten die Bergretter nach seiner Schilderung vermutlich umkehren müssen. Alle Beteiligten kamen lebend zurück.


Die Geschichte macht deutlich, dass auch erfahrene Bergretter ihre Grenzen kennen müssen. Für Preimesberger gehören eine gute Ausbildung, realistische Selbsteinschätzung und ein respektvoller Umgang mit den Bergen zu den wichtigsten Grundlagen jeder Tour.


Warum Ehrenamt mehr als ein Hobby ist

Was motiviert Menschen dazu, regelmäßig ihre Freizeit zu opfern und im Ernstfall sogar das eigene Leben zu riskieren, um völlig Fremden zu helfen? Für Christoph Preimesberger sind es vor allem die Gemeinschaft und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.

Bergrettung ist für ihn Teamarbeit. Nicht unbedingt der beste Einzelalpinist ist auch der beste Bergretter. Gefragt sind Menschen, die zusammenarbeiten, Verantwortung übernehmen und sich aufeinander verlassen können. Besonders nach erfolgreichen Rettungsaktionen werde spürbar, warum sich das Engagement lohnt.


Doch nicht jeder Einsatz endet glücklich. Auch darüber spricht Preimesberger offen. Die Bergrettung Oberösterreich hat Strukturen geschaffen, um Einsatzkräfte nach besonders belastenden Erlebnissen zu unterstützen. Speziell geschulte Kolleginnen und Kollegen stehen als erste Ansprechpartner zur Verfügung und helfen, wenn weitere professionelle Unterstützung notwendig wird.


Hallstatt ist mehr als eine Touristenkulisse

Christoph Preimesberger ist in Hallstatt aufgewachsen und seiner Heimat tief verbunden. Er erinnert sich an Zeiten, in denen das Dorf außerhalb der Tourismussaison beinahe ausgestorben war. Heute zählt Hallstatt zu den international bekanntesten Reisezielen Österreichs. Eine Entwicklung, die wirtschaftliche Chancen bringt, aber auch Herausforderungen für die Menschen, die dort leben.

Im Podcast spricht er über die Notwendigkeit, den Tourismus aktiv zu gestalten und dabei die Lebensqualität der Bevölkerung nicht aus den Augen zu verlieren. Denn Hallstatt soll auch in Zukunft ein Ort bleiben, an dem Menschen wohnen, arbeiten und Familien gründen können.

Die HTL Hallstatt leistet dazu ihren eigenen Beitrag. Sie ist nicht nur Bildungsstätte, sondern ein wichtiger Teil des örtlichen Lebens. Ihre Schülerinnen und Schüler bringen sich bei kulturellen Veranstaltungen ein und arbeiten an Projekten für die Gemeinde. Sichtbare Beispiele ihrer handwerklichen Fähigkeiten finden sich sogar in der Hallstätter Pfarrkirche.


Ein Leben zwischen Verantwortung und Leidenschaft

Was verbindet einen guten Schuldirektor mit einem guten Bergretter? Für Christoph Preimesberger ist es vor allem der Umgang mit Menschen. In beiden Bereichen kommt es darauf an, Talente zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen, gut zusammenzuarbeiten und anderen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.


Und wenn ihm das alles einmal zu viel wird? Dann zieht er sich auf seine kleine Alm am Salzberg zurück. Dort findet er die Ruhe und Kraft, die er für seine zahlreichen Aufgaben braucht.


In dieser Folge von ned zwida – der Salzkammergut Podcast begegnen Robert Steiner und Peter Zeitlhofer einem Menschen, der seine Heimat liebt, Verantwortung lebt und anderen Menschen etwas ermöglichen möchte. Ein Gespräch über die Zukunft des Handwerks, die Kraft der Gemeinschaft und darüber, wie wichtig es ist, seinen eigenen Weg zu finden.


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