Folge 100: Die Jubiläumsfolge mit der Ratte Rolf Rüdiger alias Stefan Gaugusch
- 10. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
100 Folgen. Als wir mit ned zwida begonnen haben, war diese Zahl ziemlich weit weg. Jetzt ist sie da. Und natürlich wollten wir für unser Jubiläum einen Gast, bei dem es ein bisschen persönlicher werden darf. Also sitzt in Folge 100 ein Mann bei uns, den Robert nicht erst seit gestern kennt.
Stefan Gaugusch und Robert Steiner arbeiten seit Jahrzehnten miteinander. Heute hört man die beiden täglich gemeinsam auf Radio Wien. Stefan allerdings meistens nicht als Stefan, sondern als kleine graue Ratte mit Ohrring und ziemlich großer Goschn. Rolf Rüdiger! Robert bezeichnet die beiden im Gespräch irgendwann als „berufliches Ehepaar“. Und ganz falsch ist das nach rund 35 gemeinsamen Jahren vermutlich nicht.

Vom Linzer Kasperltheater ins Fernsehen
Stefans Geschichte beginnt in Oberösterreich. Schon als Kind fasziniert ihn das Puppenspiel. Während andere ihre Freizeit vielleicht am Fußballplatz verbringen, baut er mit Freunden eine kleine Puppenbühne in Linz-Urfahr auf. Dabei steckt hinter dieser Leidenschaft mehr als nur die Begeisterung für Kasperl und Co. Stefan erzählt offen davon, als Kind nicht unbedingt Teil der großen Clique gewesen zu sein. Genau dadurch habe er viel Zeit gehabt: zum Beobachten, Nachdenken und Entwickeln eigener Interessen. Vielleicht liegt darin auch ein Teil seines Humors. Denn Stefan beschreibt im Gespräch sehr schön, wie angenehm es ist, etwas zu sagen – und jemand anderer lacht.
Nach der Matura zieht es ihn ins Wiener Urania Puppentheater. Dort landet er zunächst keineswegs sofort in den Hauptrollen. Eine seiner ersten wichtigen Aufgaben ist vielmehr ein Job, den man in einer Karrierebiografie eher selten findet: Er spielt den Schwanz von Dagobert. Auch solche Details gehören zu dieser Folge.
Der Weg zum ORF
Stefan lernt beim Zuschauen. Wie setzt man Pausen? Warum funktioniert ein Satz bei einer Vorstellung und bei der nächsten nicht? Wie entsteht Timing? Eine klassische Sprecherausbildung hat er nie absolviert. Stattdessen lernt er von den Menschen, denen er Abend für Abend bei der Arbeit zusieht.
Später kommt die Chance beim Fernsehen. Mit seiner eigenen Puppenbühne gehört Stefan plötzlich zu den „jungen Wilden“. Seine Geschichten dürfen frecher sein, weniger pädagogisch, manchmal auch ein bisschen respektlos. Es ist eine Zeit, in der ausprobiert werden darf.
Und Stefan probiert aus.
Kasperl, Konfetti, Quaksi – und irgendwann Rolf Rüdiger
Im Laufe der Jahre entwickelt und baut Stefan zahlreiche Figuren, die vielen Menschen in Österreich bis heute vertraut sind. Kasperl & Co. Die Hexen Irma und Urma. Quaksi. Konfetti. Und natürlich Rolf Rüdiger. Dabei erfahren wir in Folge 100 einige Dinge, die selbst Robert und Peter noch nicht wussten.
Konfetti hieß ursprünglich beispielsweise nicht einfach deshalb so, weil der Name so schön bunt klingt. Dahinter steckte einmal die Abkürzung für Konstanze Ferdinand Tintenfass.
Und Rolf Rüdiger? Der war ursprünglich überhaupt keine Ratte. Sondern ein Wolf. Erst für einen Fernsehdreh wurde die Figur umgebaut. Neue Augen, eine andere Schnauze, Jeans – und irgendwann brauchte das Ganze noch einen Namen. Der Rest ist österreichische Fernsehgeschichte.
Wenn eine Figur plötzlich ein Eigenleben bekommt
Warum funktioniert Rolf Rüdiger eigentlich so gut? Stefan hat darüber selbst nachgedacht. Beim Kasperl ist er als Chef seiner eigenen Bühne für alles verantwortlich. Beim Rolf Rüdiger ist diese Verantwortung weg. Da gibt es Robert. Oder, wie Stefan es formuliert: Robert ist der Boss. Zumindest glaubt Robert das.
Diese Freiheit macht viel von Rolf Rüdigers Humor aus. Die Figur darf Dinge sagen, die Stefan oder Robert vermutlich nicht sagen würden. Sie darf Grenzen testen, frecher sein und manches aussprechen, was andere vielleicht nur denken. Manchmal ging das auch schief. In der Folge erinnern sich Robert und Stefan an Situationen bei Radio Wien, nach denen Beschwerden eingingen und Gespräche mit Vorgesetzten notwendig wurden. Wobei die Geschichte zeigt: So manches, das offiziell gar nicht ging, wurde hinter verschlossenen Türen durchaus lustig gefunden.

Ausgezeichnete Frechheit
Dass diese Form von Humor inzwischen längst nicht mehr nur als Kinderunterhaltung wahrgenommen wird, zeigt auch eine aktuelle Auszeichnung.
Robert Steiner und Rolf Rüdiger werden mit dem Sonderpreis des Österreichischen Kabarettpreises ausgezeichnet. Eine Ehrung, mit der die beiden selbst nicht unbedingt gerechnet haben. Vielleicht passt sie aber gerade deshalb so gut.
Denn das Prinzip hinter Rolf Rüdiger ist im Grunde uralt: gemeinsam mit dem Publikum auf jene da oben schauen, frech sein dürfen und mit Humor Dinge sagen, die sonst vielleicht niemand sagt.
Und was hat das alles mit dem Salzkammergut zu tun?
Mehr, als man zunächst glauben würde. Stefan ist Oberösterreicher und regelmäßig im Salzkammergut unterwegs. Seine erste wirklich einprägsame Begegnung mit der Region war allerdings etwas weniger romantisch. Seine Mutter hatte dem ziemlich lebhaften kleinen Stefan immer wieder gedroht: Wenn du dich nicht zusammenreißt, kommst du ins Kinderheim. Irgendwann durfte er auf Ferienlager fahren.
Der Bus hielt am Attersee. Stefan stieg aus. Und am Gebäude stand groß: Kinderheim. Für einen kurzen Moment dürfte der junge Stefan überzeugt gewesen sein, seine Mutter habe ihre Drohung tatsächlich wahr gemacht.
Heute ist das Verhältnis zum Salzkammergut längst wieder in Ordnung. Spätestens, wie Stefan selbst sagt, seit seinem ersten Besuch beim Zauner.
100 Folgen – und wir machen weiter
Am Ende dieser Jubiläumsfolge steht deshalb nicht nur der Blick zurück auf Stefans außergewöhnlichen Weg. Es ist auch ein kleiner Blick auf uns selbst. 100 Folgen, unzählige Gespräche, Begegnungen und Geschichten aus dem Salzkammergut.
Und die vielleicht wichtigste Nachricht dieser Folge liefert Robert gleich am Anfang:
Wir hören nicht auf.
In diesem Sinne: Auf die nächsten 100.
Wir brauchen euch!
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