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Folge 99- der Blonde Engel im Podcast: Warum es ihn ohne den Attersee nicht gäbe

  • vor 3 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Nackter Oberkörper, goldene Leggings, Engelsflügel und eine grüne Brille: Seit fast 20 Jahren steht Felix Schobesberger als Blonder Engel auf der Bühne. Hinter dem auffälligen Erscheinungsbild steckt ein oberösterreichischer Liedermacher, der virtuoses Gitarrenspiel mit Dialekt, Sprachwitz und spontaner Improvisation verbindet. In Episode 99 von „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ spricht er mit Robert Steiner und Peter Zeitlhofer über seinen Weg zur Musik, das Leben als Künstler und seine besondere Verbindung zum Attersee.

Wie Felix Schobesberger zum Blonden Engel wurde

Eine große Strategie stand am Anfang nicht. Felix Schobesberger schrieb als Jugendlicher eine Schlagerpersiflage, in deren Refrain ein blonder Engel vorkam. Als er später bei einem Vorspielabend auftreten sollte, schrieb der Veranstalter kurzerhand „Special Guest: Blonder Engel“ auf das Plakat.

Der Name blieb. Rundherum entstand nach und nach jene Kunstfigur, die Felix heute als eine reduzierte Bühnenversion seiner selbst beschreibt. Blonder Engel zeigt dem Publikum jene Teile von Felix, die auf die Bühne sollen – und lässt andere bewusst weg.

Dass diese Entwicklung nicht geplant war, passt zu seiner Karriere. Felix beschreibt sich als jemanden, der beobachtet, was passiert, und dann entscheidet, wie es weitergehen könnte. Ob man diese Haltung authentisch oder planlos nennt, bleibt dabei Ansichtssache.


Der Rockstartraum begann mit „Ballroom Blitz“

Zur Musik kam Felix vergleichsweise spät. Mit etwa 14 Jahren hörte er auf einem Rocksampler den Song „Ballroom Blitz“ von The Sweet. Der Song begeisterte ihn so sehr, dass für ihn feststand: Er wollte Gitarre spielen und Rockstar werden.


Eine E-Gitarre bekam er allerdings nicht sofort. Zunächst sollte er auf einer bereits vorhandenen akustischen Gitarre lernen. So landete er in einem Linzer Gitarrenkurs, der sich eigentlich an Menschen richtete, die erst in einem höheren Alter mit dem Instrument beginnen wollten.

Felix blieb bei der Musik, nahm später Privatunterricht und beschäftigte sich intensiv mit seinem Instrument. Heute wird er nicht nur für seine Texte, sondern auch für sein präzises Gitarrenspiel geschätzt. Trotzdem bezeichnet er sich selbst nur ungern als Virtuosen. Viel wichtiger sei gewesen, dass er die Musik unbedingt machen wollte und bereit war, entsprechend viel Zeit zu investieren.

Musiker, Kabarettist oder lustiger Liedermacher?

Weil seine Texte humorvoll sind, wurde Blonder Engel in Österreich schnell dem Kabarett zugeordnet. Felix selbst sieht die Sache etwas anders. Seine Abende seien formal Konzerte beziehungsweise Liederabende. Geschrieben und festgelegt sind vor allem die Songs. Viele Moderationen zwischen den Liedern entstanden ursprünglich spontan und entwickelten sich erst mit der Zeit weiter.


Am treffendsten findet er deshalb Begriffe wie „lustiger Liedermacher“ oder „Musik-Kleinkunst-Hybrid“. Mit der Einordnung als Kabarettist kann er inzwischen ebenfalls leben. Nur beim Begriff „Alleinunterhalter“ entstehen in seinem Kopf Bilder von Begleitautomatik und Bontempi-Orgel.


Vom Nespresso-Song zur ORF Comedy Chance

Zwei Stationen sorgten für besonders deutliche Entwicklungsschritte. 2010 veröffentlichte Felix den „Nespresso Song“ und nahm damit am FM4 Protestsongcontest teil. Das Lied verbreitete sich für die damalige Zeit ungewöhnlich stark. Plötzlich saßen Menschen in seinen Konzerten, die er nicht mehr persönlich oder über gemeinsame Bekannte kannte.


2012 folgte die Teilnahme an der ORF Comedy Chance. Auch dieser Auftritt vergrößerte seine Bekanntheit deutlich. In der Zeit danach erkannte Felix, dass ausreichend Auftritte möglich waren, um vollständig von seiner Musik zu leben. Er stellte ein Team zusammen und begann, seine Karriere professioneller zu organisieren.


Dennoch warnt er davor, daraus eine allgemeine Erfolgsformel abzuleiten. Anders als im Sport lasse sich künstlerischer Erfolg nicht objektiv messen. Talent und harte Arbeit seien wichtig, garantierten aber noch lange keinen Durchbruch. Auch Glück und der richtige Zeitpunkt spielten eine entscheidende Rolle.

Was Social Media für Musiker verändert hat

Felix begann seine Karriere in einer Übergangszeit. CDs wurden noch verkauft, Spotify spielte aber bereits eine wachsende Rolle. Heute seien viele frühere Gatekeeper verschwunden. Künstlerinnen und Künstler können ihre Musik selbst veröffentlichen, bewerben und direkt ein Publikum finden.

Der Preis dafür ist ein wesentlich größerer Arbeitsaufwand. Wer unabhängig arbeitet, muss häufig auch Social-Media-Inhalte, Videos, Werbung und Veröffentlichungsstrategien selbst organisieren. Felix übernimmt vieles davon eigenständig und versucht, seine Songs so aufzubereiten, dass sie auch auf den digitalen Plattformen funktionieren.


Warum es Blonder Engel ohne den Attersee nicht gäbe

Der Attersee ist für Felix Schobesberger nicht nur ein Ort für gelegentliche Sommerurlaube. Seit seinem sechsten Lebensjahr verbringt er hier regelmäßig mehrere Wochen. Seine Familie teilt sich ein Haus mit mehreren anderen Familien. Jede Familie hat eigene Zimmer, während Küchen und Bäder gemeinsam genutzt werden.


Rund um dieses Haus wurde viel musiziert. Am Abend entstanden Jam-Sessions, Freundschaften und musikalische Verbindungen. Menschen aus diesem Umfeld wurden später zu Mentoren, Mitmusikern und beruflichen Wegbegleitern.

Felix bezeichnet sich selbst als klassischen Sommerfrischler. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass Zweitwohnsitze, steigende Kaufkraft und Gentrifizierung für die Region auch schwierige Seiten haben. Er sieht seinen Aufenthalt deshalb als großes Privileg.


Der See ist für ihn Schreibort, Rückzugsort und musikalische Heimat. Auf die Frage nach dem Wertvollsten im Salzkammergut nennt er die kontemplative Ruhe. Seine Verbindung zum Attersee fasst er noch klarer zusammen: Den Blonden Engel würde es ohne diesen Ort vermutlich nicht geben.


Spontane Songs mitten am See

Zum Abschluss der Podcastfolge muss Blonder Engel seine Improvisationskunst unter Beweis stellen. Peter und Robert geben ihm Begriffe und musikalische Aufgaben vor.

Aus „Badeschlappen“ entsteht ein Blues über eine verschwundene Liebe, die sogar das Schuhwerk mitgenommen hat. Danach folgt ein Kinderlied über einen Sonnenbrand am Attersee. Den Abschluss bildet ein improvisierter Reggae über den ned-zwida-Bootcast – inklusive mehrerer absichtlich und unabsichtlich verwechselter Namen.


Episode 99 zeigt damit viele Seiten von Felix Schobesberger: den Sprachliebhaber, Musiker, Arbeiter, Sommerfrischler und spontanen Geschichtenerzähler hinter der Kunstfigur Blonder Engel.


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