Folge 91 - Roland Suttner: Von Bad Ischl an die Spitze von "Ärzte ohne Grenzen"
- 8. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Lebenswege, die auf den ersten Blick geradlinig wirken – und bei genauerem Hinsehen aus vielen Abzweigungen, Zufällen, mutigen Entscheidungen und leisen inneren Fragen bestehen. Der Weg von Roland Suttnerist so einer. Roland kommt aus Bad Ischl. Er ist im Salzkammergut aufgewachsen, hat dort maturiert und irgendwann gespürt, dass ihm die Berge, so schön sie auch sind, ein wenig zu eng werden. Also ging er hinaus. Nach Wien, zum Studium der internationalen Betriebswirtschaft. Nach Spanien. Nach Chile. In die Wirtschaft. In internationale Jobs. In eine Karriere, die funktioniert hat. Und dann kam diese Frage, die irgendwann stärker wurde: Was bewirke ich eigentlich?

In Episode 91 von „ned zwida – der Salzkammergut Podcast“ sprechen Peter und Robert mit Roland Suttner, dem Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich, über genau diesen Weg: vom jungen Bad Ischler mit internationalem Interesse über Jahre in der Wirtschaft bis hin zu einer Aufgabe, bei der es ganz direkt um Menschenleben, medizinische Hilfe und humanitäre Verantwortung geht.
Was Ärzte ohne Grenzen eigentlich macht
Viele kennen den Namen Ärzte ohne Grenzen. Aber nicht alle wissen, wie die Organisation arbeitet und welche Prinzipien dahinterstehen. Roland erklärt im Gespräch sehr klar, worum es geht: Ärzte ohne Grenzen ist eine medizinische Nothilfeorganisation, die dort arbeitet, wo Menschen keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Versorgung haben – etwa durch Konflikte, Naturkatastrophen, Epidemien oder zusammengebrochene Gesundheitssysteme.
Wichtig sind dabei drei Grundprinzipien: Unabhängigkeit, Neutralität und Unparteilichkeit. Es geht nicht darum, politische Positionen einzunehmen, sondern darum, den humanitären Bedarf zu sehen und Menschen medizinisch zu helfen – unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Einstellung oder anderen Zuschreibungen.
Ein weiterer wichtiger Begriff im Gespräch ist Témoignage – also Zeugnis ablegen. Ärzte ohne Grenzen hilft nicht nur medizinisch, sondern berichtet auch über das, was die Teams vor Ort sehen: über fehlenden Zugang zu Gesundheitsversorgung, über Behinderungen humanitärer Arbeit und über Situationen, in denen Menschen dringend Hilfe brauchen.
Der Einsatz im Kongo
Besonders eindrücklich wird die Folge, wenn Roland von seinem eigenen Einsatz in der Demokratischen Republik Kongo erzählt. Er war dort nicht als Arzt, sondern als Finanzmanager und im Bereich Human Resources tätig. Das ist ein wichtiger Punkt: Ärzte ohne Grenzen braucht nicht nur Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Menschen aus vielen anderen Bereichen – von Pflege und Pharmazie über Logistik und Technik bis hin zu Administration, Finanzen und Personal.
Roland war in der Provinz Ituri im Nordosten des Landes tätig, in einem Umfeld mit Malaria, Mangelernährung und vielen Binnenvertriebenen. Sein Bewegungsradius war wegen der Sicherheitslage stark eingeschränkt. Gleichzeitig beschreibt er Bilder, die bis heute geblieben sind: Kinder, die ihm morgens entgegenliefen. Die Schönheit der Landschaft. Die Härte einzelner Schicksale. Und die Erfahrung, dass gute Organisation, effizientes Arbeiten und verantwortungsvoller Umgang mit Geld ganz direkt dazu beitragen können, mehr Menschen zu helfen.
Zwischen Hoffnung und Realismus

Diese Folge ist kein leichtes Gespräch – aber ein wichtiges. Roland spricht über Krisen, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu kurz kommen. Über den Sudan. Über die Demokratische Republik Kongo. Über Gaza. Über den Druck, unter dem humanitäre Hilfe weltweit steht. Und über die Herausforderung, sich nicht von der Schwere der Nachrichten lähmen zu lassen.
Seine Antwort darauf ist nicht naiv. Es geht nicht um einfachen Optimismus. Es geht um einen Antrieb: Jeder Mensch, dem geholfen werden kann, zählt. Jede Patientin, jeder Patient, jede Familie, jedes einzelne Schicksal.
Und das Salzkammergut?
Natürlich geht es in dieser Folge auch um Bad Ischl und das Salzkammergut. Roland erzählt, dass er gerne zurückkommt, dass es ihn wieder hinzieht, wenn er zu lange nicht dort war – und dass er gleichzeitig bewusst nicht im Salzkammergut lebt. Er spricht von zwei Welten, die er in sich trägt: das Salzkammergut als Herkunft, als Gefühl, als vertrauter Ort. Und Wien beziehungsweise die Welt als Lebensmittelpunkt und Wirkungsraum.
Am Ende wird es dann doch noch ganz salzkammergütlerisch: Holzknecht Nocken mit Sauerkraut, Zaunerstollen und die Frage, was im Salzkammergut fehlt – und was dort am wertvollsten ist.
Episode 91 mit Roland Suttner ist eine Folge über einen Bad Ischler, der hinausging, um die Welt zu sehen – und heute Verantwortung dort trägt, wo Menschlichkeit besonders dringend gebraucht wird.
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Sehr beeindruckender Lebensweg.
Gratulation!
Super Podcast und Thema/Person!
Super Beitrag!!!