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Folge 86 - Florian Mayer, der "Dachsteinkönig" aus Gosau

  • vor 4 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Als sein Vater ihn anrief und sagte: „Die wollen mit uns in Gosau ein Hotel machen", hat Florian Mayer kurz innegehalten. Er war damals Ende zwanzig, lebte in Dubai, hatte fast ein Jahrzehnt bei Hilton Karriere gemacht und war eigentlich auf dem Sprung in die Mongolei oder auf die Malediven. Seine erste Frage am Telefon war keine, die man heute glauben würde. Sie war: „Wo ist Gosau?"

Heute, gut zehn Jahre später, sitzen wir mit Florian in genau jenem Hotel, das aus diesem Anruf entstanden ist. Es heißt Dachsteinkönig, gehört zu den Familux Resorts und ist eines der ungewöhnlichsten Familienhotels Europas. 200 Mitarbeiter, jährlich rund 8.000 Familien aus halb Europa. Wer hier rein will, muss ein Kind dabeihaben.


In Folge 86 von ned zwida – der Salzkammergut Podcast haben wir lange mit Florian geredet. Über Kindheit, Heimkommen, Familienluxus, Mitarbeiter, das Salzkammergut – und über jenen Anruf, der alles geändert hat.


Ein Vater, ein Schilling, ein kleines Hotel

Florians Vater ist Kärntner. Skilehrer am Arlberg, dort hat er Florians Mutter kennengelernt, die bei der Bergbahn gearbeitet hat. „Der Klassiker", sagt Florian heute mit einem Schmunzeln. Als er auf die Welt gekommen ist, haben sich die beiden in Lermoos in Tirol ein kleines Hotel gekauft. Um einen Schilling. Mit allen Schulden, die noch an dem Haus hingen.


Was die Eltern dann anders gemacht haben als die meisten Tiroler ihrer Generation: Sie haben nicht ein bisschen Wellness gemacht und ein bisschen Spa, sondern sich konsequent spezialisiert. Auf Familien mit Kindern. Im Premiumsegment. Lange bevor das ein Markt war. Florian und sein Bruder Julian sind in diesem Hotel aufgewachsen. „Das war unser Zuhause." Mit allem, was dazugehört. Viele neue Freunde jede Woche. Die nach ein paar Tagen wieder abgereist sind. Weihnachten, das immer erst dann gefeiert wurde, wenn die Gäste im Bett lagen. Eltern, die sieben Tage die Woche im Einsatz waren, weil das Geschäft nicht anders gegangen ist.


„Ich wollte alles werden, nur nicht Hotelier"

Florian wollte als Bub vieles werden. Zirkusartist. Taucher. Gärtner. Etwas Ruhiges. Hauptsache nicht das, was er zu Hause gesehen hat – die Schattenseiten des Hotelalltags im familiären Umfeld.

Erst mit der Reife, sagt er, kam die Entscheidung. Nicht weil er es musste – seine Eltern haben ihn immer wieder zur Wahl gestellt. Sondern weil er verstanden hat, was da gerade übergeben wurde. Welche Lebensaufgabe eigentlich angeboten wurde. Und dass das, was die Eltern angefangen hatten, mehr werden konnte – aber nur, wenn man es ernst meinte.


Zwei Wochen nach der Matura an der Hotelfachschule Villa Blanka in Innsbruck saß Florian im Flieger. Sein Wunsch war klar: dorthin, wo Tourismus großgeschrieben wird – und wo es warm ist. 2005 hieß das: Dubai.


Aus eineinhalb Jahren wurde fast ein Jahrzehnt

Florians Plan war ein Praktikum. Anderthalb Jahre, dann zurück. Daraus wurde fast ein Jahrzehnt. Hilton, Karriere im Schnelldurchlauf, eigene Sporen verdient. Angebote auf dem Tisch, die jeden 25-Jährigen verstummen lassen würden: das erste Hilton in der Mongolei eröffnen. Auf die Malediven gehen. Mit klarem Karriereziel: Hoteldirektor bei Hilton.


Was ihn am Ende heimgeholt hat, war nicht ein einzelner Grund. Es waren Zufälle, sagt er. Ein neuer Chef, mit dem er sich in Zürich getroffen hatte. Eine Beziehung, die nicht mehr getragen hat. Und dann der Vater am Telefon. Mit dem Satz, den heute fast jeder schon einmal gehört hat: „Die wollen mit uns in Gosau ein Hotel machen. Aber wenn ja, musst du heimkommen. Alleine mache ich das nicht."

Und Florian, der Dubai im Rücken hatte, hat überlegt. Und gesagt: Ja, ich komme. Wir machen das.


Aus einer Wiese wird ein Dachsteinkönig

Zwischen 2013 und 2016 ist gebaut worden. Auf einer Wiese am Fuß des Dachsteins, gegenüber der Hornspitzbahn, mitten im Salzkammergut. Im Dezember 2016 sind die ersten Gäste eingecheckt.

Was Florian in der Bauphase gelernt hat: Gosau wollte sie. Andere Orte hätten sich gewehrt – gegen Versiegelung, Beton, gegen einen Großbetrieb in einer sensiblen Landschaft. Gosau hat das Projekt von Anfang an mitgetragen. „Die haben uns das Gefühl gegeben: Wir wollen euch hier."


Heute steht das Haus auf einem riesigen Areal, hat fast 90.000 Portionen Soft-Ice pro Jahr, Ziegen im Glasstall in der Lobby und 200 Menschen, die Tag und Nacht dafür sorgen, dass das alles funktioniert. Und es wird gerade wieder gebaut. Neue Luxus-Chalets mit ganzjährig beheizten Außenpools. Drei zusätzliche Pools im Hauptbereich. Eine weitere Wasserrutsche. Ein à-la-carte-Restaurant. Ein neuer Spielehügel. Florian sagt: „Was wir hier tun, das werden wir nicht mehr ernten. Das ist für die nächsten Generationen."


Bad Ischl, eine Frau, eine Tochter

Eigentlich war der Plan ein anderer. Den Dachsteinkönig eröffnen, an einen Hoteldirektor übergeben, dann zurück nach Tirol oder weiter ins nächste Projekt. Geworden ist es anders.

„Ich habe meine Frau auf der Baustelle kennengelernt", sagt Florian. Mittlerweile sind die beiden verheiratet, leben in einem Haus in Bad Ischl, die Tochter geht nächstes Jahr dort in die Schule. Bewusst nicht in Gosau. Bewusst mit Abstand zum Betrieb.


Es ist eine Reaktion auf die eigene Geschichte. Die Ehe seiner Eltern ist am gemeinsamen Arbeiten zerbrochen, sagt Florian offen. Er will das für sich anders. Frau bleibt aus dem Unternehmen draußen. Probleme aus der Arbeit bleiben in der Arbeit. Wenn er heimkommt, soll das Hotel nicht vor der Tür stehen. „Sonst schaust du immer hin. Warum ist das Fenster offen, warum liegt da was."


Die fünf Sterne hängen am Mitarbeitereingang

Vielleicht ist es das, was den Dachsteinkönig wirklich von anderen Häusern unterscheidet: nicht der Pool, nicht die Suiten, nicht die Chalets. Sondern die Frage, wo Florian die Auszeichnungen aufhängt, die jedes Jahr ankommen. 130 von 200 Mitarbeitern sind Einheimische. Drei Viertel der Mannschaft kommt aus der Region zwischen Bad Ischl und Abtenau. Wer kein Mitarbeiterzimmer braucht, bekommt mehr Lohn – das, was sich der Betrieb spart, geht zurück an die Person, die selbst für ihre Wohnung sorgt. Florian sagt, er verteidige die Zahl der Einheimischen mit beiden Händen.


Und die Awards? „Bestes Hotel hier, beste Region da – die landen alle ausnahmslos am Mitarbeitereingang." Auch die Fünf-Sterne-Plakette. Vor dem Hoteleingang hängt nichts. „Die Auszeichnungen sind nicht für die Gäste. Die sind für die Leute, die hier arbeiten. Damit sie das in den Lebenslauf schreiben können."Den Award, auf den er am stolzesten ist? „Bester Arbeitgeber Österreichs."


Was das Salzkammergut besser kann als Tirol

Florian ist Tiroler. Aber er sagt es selbst: Was er an seiner alten Heimat schätzt, hat er hier auch. Skipiste, Radlweg, Berge vor der Tür. Seen sogar mehr. Was das Salzkammergut für ihn aber tatsächlich besser kann: gelebte Kultur. „In Tirol ist die Lederhose viel mehr aufgesetzt für Touristen. Hier ist es authentisch gelebt. Die machen das nicht für die Touristen, sondern weil es dazugehört, weil es Geschichte ist."


Sein Lieblingsplatz im Salzkammergut, wenn er nicht im Hotel ist: eine kleine Bank vor einer Kapelle in Gosau, mit Blick über das Tal. Was er der Region hingegen gerne vorschlagen würde: einen 24-Stunden-Sushi-Lieferdienst. Was ihm hier nicht so gut gefällt: der Ebenseer Nebel. Was ihm hier am besten schmeckt: der Zahnstollen aus Bad Ischl. Und das Allerwertvollste am Salzkammergut? „Die Leute."


Wie es weitergeht

Florians Bruder Julian ist vor einigen Jahren ins Unternehmen eingestiegen. „Der ist ähnlich getrieben wie ich. Eigentlich noch ein bisschen schneller." Zwei Projekte sind fix vereinbart: eines an der Nordsee, eines im Trentino. Dazu Gespräche mit Destinationen quer durch Europa, die alle dasselbe wollen: ein Familux-Haus.


Florian selbst sagt: „Mein Zuhause bleibt das Salzkammergut. Da ändert sich nichts mehr." Er reist nicht ungern, aber er hat gelernt, dass Lebensqualität nicht mit der Zahl der Hotels skaliert. Was bleibt, ist die Aufgabe vor Ort. Und das, was er den jüngeren Generationen hier mitgeben würde, ist erstaunlich schlicht. „Überleg gut für dich selbst. Und mach es."


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