Folge 80 - Auf der Bühne daheim: Aron Karl über Tanzen, Theater, seinen Dancing Stars-Sieg und warum Live-Erlebnisse beseelen
- vor 13 Stunden
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Er sitzt auf der Bühne des Stadttheaters Gmunden – entspannt, wach, leicht amüsiert über sich selbst. Aron Karl ist kein Mann, der große Worte braucht, um Eindruck zu machen. Er braucht eigentlich gar keine Bühne. Und das sagt er auch gleich selbst, ohne Umschweife: „Ich bin kein brennender Vollblutschauspieler. Ich bin ein Handwerk-Industrieschauspieler."

Das klingt nach Understatement. Und ist vielleicht genau das.
Sohn von Fritz Karl, aufgewachsen zwischen Wien und dem Traunsee, seit Jahren fester Bestandteil des österreichischen Film- und Fernsehlebens: Walking on Sunshine, Die Bergretter, Dancing Stars. Wer Aron Karl aber nur durch diese Produktionen kennt, hat erst die halbe Geschichte. Die andere Hälfte spielt sich irgendwo zwischen 300 Fallschirmsprüngen, selbst angebautem Gemüse und einer Lebensphilosophie ab, die er sich mit 14 Jahren selbst gebaut hat.
Der Weg des geringsten Widerstands – und warum der trotzdem kein falscher ist
Wenn man Aron Karl fragt, warum er Schauspieler wurde, bekommt man eine ehrliche Antwort. „Ich bin halt da reingewachsen", sagt er. Das Netzwerk seines Vaters hat Türen geöffnet. Aber was er damit gemacht hat, liegt allein bei ihm. „Mein Vater hat mich nie protegiert. Aber es ist schon praktisch, wenn man die Leute kennt." Ein Satz, der so direkt ist, dass er fast schon entwaffnend wirkt.
Das Gespräch in EP80 findet auf der Bühne des Stadttheaters Gmunden statt – einem der schönsten alten Häuser im Salzkammergut. Kein Zufall: Aron Karl probt gerade dort für das Musical „Girl from the North Country", ein Stück, das mit Bob-Dylan-Musik getragen wird und das er zunächst gar nicht kannte. Beatles-Fan, immer schon. Dylan? Weniger. Aber dann, in den Proben, passiert etwas: „Diese Musik passt so gut auf dieses Stück. Die Folk-Musik wird zur Mitsingen-Musik. Das ist ja das Tolle. Wir haben Kultur, damit man es gemeinsam macht."
Das Stück handelt von einer kleinen Gemeinschaft in Amerika während der Great Depression – einem Gästehaus, in dem verschiedene Menschen gestrandet sind, jede und jeder mit eigenen Wunden und Hoffnungen. Aron Karl spielt den Sohn des Hauses: revolutionär gesinnt, gefangen im Teufelskreis des Trinkens, voller Sehnsucht nach einem anderen Leben. „Es ist sehr kernig. Niederschmetternd. Aber so hoffnungsvoll auch dazwischen. Man ist richtig hin- und hergerissen."
„Ich will wenig wollen"
Dieser Satz ist einer der schönsten, die in EP80 fallen. Aron Karl hat ihn sich mit 14 Jahren als Grundsatz gegeben – inspiriert von einem philosophischen Text über die Wurzeln des Unwohlseins. Er will wenige Bedürfnisse haben. Wenig begehren. Das, was er braucht, selbst machen können, wenn es sein muss. Er hat sich mit Gartenbau beschäftigt, mit Selbstversorgung, mit dem, was man im Englischen „frugal living" nennt. Er ist überzeugt: Wenn er wollte, könnte er auf eigenen Beinen stehen – mit Garten, mit Kartoffeln, ohne viel.
Aber dann, als man ihn fragt, was er trotz allem unbedingt will: „Ich will Liebe!" Ein kurzer Lacher. Eine Stille. Und dann: „Das wollen wir alle."
Es ist einer dieser Momente, die man nicht planen kann.

300 Sprünge und die Philosophie des Vertrauens
Wer denkt, dass Aron Karl nur über die Oberfläche geht, irrt sich. Er ist Fallschirmspringer – über 300 Mal gesprungen. Nicht nur wegen des Adrenalins, sondern wegen dem, was passiert, wenn man sich dem Moment komplett anvertraut. „Dieses ganz tiefe Vertrauen, dass alles okay ist." Ein Satz, der einfach klingt und alles bedeutet. Und der, wenn man ihn hört, erklärt, warum er auch auf der Bühne so wenig Panic hat. Stay cool, never panic – das ist nicht nur ein Motto. Das ist ein Lebensweg.
Zu dem kommt die Mozart-Lesung, die er gemeinsam mit seinem Vater Fritz Karl aufführt: Mozart-Briefe, Leopold und Wolfgang Amadeus, begleitet von einem Streichquartett. Eine Kulturlesung, die zum Unterhaltungsabend wird. „Man kann ja lernen und einen Spaß haben." Und man kann die Gedanken eines Menschen von vor 350 Jahren lesen und feststellen, dass die Grundprobleme der Menschheit sich kaum verändert haben. „Das Schreiben ist die einzige Möglichkeit der Gedankenübertragung, die wir haben. Das ist Telepathie eigentlich."
Das Salzkammergut, das ihn hält
Aron Karl ist kein Einheimischer im klassischen Sinn. Kein Dialekt, nicht von Geburt an hier. Aber die Verbindung zum Salzkammergut ist tief und echt: Sommers aufgewachsen am Traunsee, Skifahren am Feuerkogel, Großeltern in Gmunden, die er bis heute besucht, wann immer die Proben es erlauben. „Das Salzkammergut ist einer der schönsten Flecken der Welt", sagt er – und dann lacht er: „Wenn es nicht so regnet."
Was ihm hier am besten gefällt? Der See. Die unverbauten Ufer. Die Esplanade in Gmunden, wenn der Frühling kommt. Und was fehlt? „Kulturförderung." Klare Antwort. Keine langen Erklärungen. Und dann, beim finalen Wortrapp: Das Allerwertvollste im Salzkammergut? „Die Leute." Zwei Worte. Mehr braucht es nicht.
Warum Live-Kultur wichtiger wird – nicht weniger
Aron Karl hat eine klare Haltung dazu, was Screens mit uns machen: „Was der Bildschirm macht, das Interface – das saugt nur raus. Ich kenne niemanden, der eine Stunde lang gescrollt hat und dann mehr Energie hat als vorher." Und dann, der Gegensatz: das Gefühl, wenn man nach einem guten Theaterabend in die kalte Luft tritt. „Du bist beseelt. Du gehst raus mit einem ganz anderen Spirit."
Es ist sein persönliches Plädoyer für Live-Erlebnisse – für Konzerte, Theater, echte Begegnungen. Und vielleicht auch der Grund, warum er auf dieser Bühne in Gmunden steht, obwohl er eigentlich sagt, er ist kein brennender Bühnenmenschen.
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